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Kölner IL-Outing vom Juli 2022: Ergebnisse unserer Untersuchung

Hier die Ergebnisse unserer im August 2022 begonnenen Recherchen. Leute aus der Interventionistischen Linken (IL) und ihrem Umfeld in Köln, Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe haben uns mit Information und Diskussion unterstützt. Der aktuelle Stand vom 9. Mai 2023 ist hier fett hervorgehoben.  Er ergänzt unsere Veröffentlichung vom 8. Februar (https://k3-2022.tumblr.com/post/708727959890100224/betroffene-unterstuetzen).

1. Am 11. Juli 2022 wurde C durch die Interventionistische Linke (IL) als Täter sexualisierter Gewalt geoutet. Er soll bei einem einvernehmlichen Date mit einer Frau (im Folgenden X genannt) Anfang Dezember 2021 ohne ihr Wissen und Einverständnis sexuelle Fotos gemacht haben. Diese Fotos soll er in einer Chatgruppe geteilt haben, die Teil eines größeren sexistischen Männernetzwerks sein soll.

2. Die Quelle für diese Vorwürfe ist laut Aussage von X eine bis heute unbekannte Informantin. Sie soll von der anonymen Mailadresse jennifer.hills@skymail.de zunächst an das männliche IL-Mitglied M. und dann an X mehrere E-Mails gesendet haben. „Jennifer Hills“ schreibt in ihrer Mail vom 14.01.2022, dass sie Teil einer Gruppe sei, die das Männernetzwerk zerschlagen will: „wir sind fast am ziel und dürfen nur keine fehler machen, und du wirst dabei sein wenn sie das bekommen was sie verdienen.”

3. X hat die angeblich empfangenen E-Mails inklusive der E-Mail-Header in einer PDF-Datei dem Landgericht Düsseldorf vorgelegt. Der Header der ersten Mail ist eine plumpe Fälschung, die weiteren Mails sind manipuliert und haben Fälschungsmerkmale. Die erste Mail vom 10.12.2021, die von „Jennifer Hills” an das langjährige männliche IL-Mitglied M. adressiert ist, kann nicht empfangen worden sein. Sie wurde nachträglich gefälscht. Das ist durch die Analyse des Headers eindeutig bewiesen. Damit ist nicht erklärbar, wie der folgende, darauf aufbauende Mailverkehr mit „Jennifer Hills” möglich gewesen sein soll. Ein später (Oktober 2022) berichteter Videocall mit der Quelle am 14.01.2022 kann also nicht stattgefunden haben oder war ebenfalls eine Manipulation (die dort angeblich gezeigten Detailfotos sind fälschbar).
Die zwei Fotos, die einer angeblichen Mail vom 14.01.2022 anhängen, haben keine Beweiskraft. Sie zeigen weder C noch sexuelle Handlungen. Die angebliche Quelle und ihre Gruppe sind seit einem Jahr spurlos verschwunden.

4. Grundlage für das Outing waren allein die Informationen der angeblich existierenden anonymen Quelle. Diese sind, wie sich herausgestellt hat, nicht glaubwürdig. Damit hat sich die Begründung der IL für das Outing als falsch erwiesen. Es muss deshalb öffentlich zurückgenommen werden.

5. Das angeblich existierende Männernetzwerk soll in mehreren Städten mit Methoden von „Pick-Up-Artists“ aktiv sein, große Mengen illegal bei Dates angefertigter Fotos und Videos gesammelt sowie sexualisierte Gewalt geplant haben. Aus der E-Mail von „Jennifer Hills" vom 03.01.2022: „Dauertests“ und „Belastungstests“ sowie „spontane Hausbesuche“ seien in einigen Städten geplant. Es ging also nicht um eine angebliche Bedrohung durch einen Einzeltäter, sondern um organisierte sexualisierte Gewalt einer überregionalen Männergruppe.

6. „Jennifer Hills“ soll im Oktober 2021 bei einem internen bundesweiten Treffen der IL in Köln ein langjähriges männliches IL-Mitglied (M.) angesprochen haben. Sie bezieht sich in ihrer ersten Mail an M. vom 10.12.2021 auf dieses Treffen: „ich habe dich in Köln angesprochen”. Da diese Mail nicht empfangen worden sein kann (siehe oben, Punkt 3), ist auch dieses Treffen fraglich. Wenn es stattgefunden hätte, dann würde M. die Quelle kennen oder zumindest beschreiben können. Dazu schweigt er. Wir gehen deshalb bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, dass die anonyme Quelle mit dem Pseudonym „Jennifer Hills” nicht existiert, sondern eine Erfindung ist.
M. und X erfuhren laut den E-Mails Mitte Dezember 2021 von der Gefährlichkeit der sexistischen Männergruppe. Anfang März 2022 hat X der IL davon berichtet. Nach ihren eigenen Aussagen wollte X ausschließlich das Outing von C. Die IL hat sie darin unterstützt.  M. war innerhalb der IL eine treibende Kraft für das Outing. Das angeblich existierende Männernetzwerk schien niemanden weiter zu interessieren. Im zweiten und dritten Outing-Statement der IL vom 27.07.2022 und 07.02.2023 wird es gar nicht mehr erwähnt. Einzelne Vertreter:innen der IL bestreiten inzwischen, dass die IL jemals die gesicherte Existenz des Netzwerks behauptet habe (was nicht stimmt). Für die Existenz des sexistischen Männernetzwerks gibt es außer den gefälschten Mails keine Hinweise.

7. Wir haben seit August 2022 selbst in der Kölner linken Szene nach dem Männernetzwerk recherchiert. Dabei haben wir festgestellt, dass die IL dort nicht ermittelt. Weiterhin hat sie die Zusammenarbeit mit uns bei der Recherche abgelehnt.

8. Das Outing lief bundesweit mit Foto, eigenem Twitter-Hashtag und verstärkt durch Artikel in taz und nd. Die Folgen sind katastrophal:
- die Aufklärung der behaupteten Bedrohung durch das Männernetzwerk wurde erschwert
- die Verunsicherung in der linken Szene blieb bestehen
- C und seine Familie (darunter zwei FLINTA*-Personen) sind schwer in ihrer psychischen Gesundheit und existenziell materiell geschädigt, vor allem beruflich
„Jennifer Hills” ist die Hauptfigur der Horrorfilm-Reihe „I spit on your grave.” Sie nimmt blutige Rache an Vergewaltigern und auch deren Familienmitgliedern. Mit dieser Namenswahl haben die Erfinder der anonymen Quelle C und seine Familie massiv geängstigt und zusätzlich psychisch geschädigt.

9. Die politische Verantwortung liegt bei der IL und ihrer „bundesweiten Ansprechgruppe“. Vor dem Outing schrieb die bundesweite Ansprechgruppe der IL in einem internen Bericht: „Die Chat Verläufe und Aussagen der Quelle könnten theoretisch gefälscht/manipuliert sein“ . Im ersten Outing-Text vom 11. Juli 2022 behauptet die IL dagegen öffentlich: „Es gibt keinen Zweifel daran: Die geteilten Informationen können C eindeutig zugeordnet werden.“ Das war eine Lüge, denn innerhalb und außerhalb der IL hatten viele Leute und Gruppen gut begründete Zweifel geäußert. Diese Zweifel wurden ignoriert und als „Täterschutz“ denunziert. So wurden Vertrauensbeziehungen beschädigt und Menschen eingeschüchtert. Eine Folge war, dass die Kölner IL-Mitgliedsgruppe K2 sich auflöste.

Viele in der IL glauben die Geschichte mit der spurlos verschwundenen Jennifer Hills  und dem geheimen Männernetzwerk nicht mehr. Offenbar geht es den verantwortlichen Kräften in der IL nur noch um Gesichtswahrung. Die Auswirkungen auf die Betroffenen, darunter viele FLINTA*-Personen, werden als Kollateralschaden hingenommen. 

Kontaktgruppe3 am 9. Mai 2023

https://k3-2022.tumblr.com/

Gegendarstellung von Unterstützer:innen von C mit Analyse der Fälschungen der E-Mails vom 15.01.2023:
https://gegendarstellungouting.wordpress.com/aufgedeckt-kolner-il-outing-basiert-auf-gefalschten-beweisen-und-falschen-behauptungen/

Kritische Texte zum IL-Outing:

Unziviler Gehorsam. Postfaktische Entwicklungen bei der IL
https://autonomesblaettchen.noblogs.org/ausgaben/
(Seite 23 in Ausgabe Nr. 52, März 2023)

https://feministischeperspektiven1.wordpress.com/ (15.02.2023)

Radikaler Zweifel  vom 26.09.2022:
https://barrikade.info/article/5382

Von Rehzi Malzahn:
https://rehzimalzahn.net/des-illusioniert-voran/  21.04.2023
https://rehzimalzahn.net/was-nun-koeln/  30.01.2023
https://rehzimalzahn.net/denken-hilft/  15.07.2022